Gemäss der aktuellen Studienlage kann die Frage der Dauer des Impfschutzes nicht pauschal beantwortet werden, sondern variiert in Abhängigkeit von Vulnerabilitätsmerkmalen wie Alter und Vorerkrankungen.

Bei der in der Zulassungsstudie von Comirnaty®(BionTech/Pfizer) untersuchten Studienpopulation ist die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen und Hospitalisation mit SARS-CoV-2 Alpha 6 Monate nach Dosis 2 mit 95,7% (95% KI: 73,9–99,9) weiterhin sehr hoch, wie Follow-up Analysen zeigen [1]. Die Impfung verhindert in der untersuchten Population mit 84% (12% weniger im Vergleich zum Zeitpunkt 2 Monate) auch 6 Monate nach Dosis 2 noch sehr wirksam symptomatische Alpha-Infektionen [1].

Auffrischimpfung für besonders gefährdete Personen?

Der Schutz vor PCR-positiven Delta-Infektionen reduziert sich ebenfalls über die Zeit, was Daten aus Israel und dem Vereinigtem Königreich zeigen [2,3,6]. Basierend auf den bisher bekannten Daten aus Beobachtungsstudien zur Delta-Variante, die in einem Zeitraum bis maximal 7 Monate nach Dosis 2 durchgeführt wurden, gibt es jedoch keine Hinweise, dass in diesem Zeitraum die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen und Hospitalisation mit Delta im Vergleich zu Alpha signifikant gesunken ist [3]. Es ist aber davon auszugehen, dass der Impfschutz gegen milde Erkrankungen mit der Delta-Variante weniger lang anhält als gegen die Alpha-Variante. Somit kann es bereits vor 12 Monaten nach der Impfung häufiger zu Infektionen kommen im Vergleich zur Alpha-Variante, insbesondere in älteren Altersgruppen.

Die Swiss National Covid-19 Science Taskforce empfiehlt beiimmundefizienten Personen die Bestimmung der SARS-CoV-2 anti-Spike Immunglobulin G (IgG) Konzentration vier Wochen nach der 2. mRNA-Impfdosis [8]. Liegen diese Antikörpertiter vier Wochen nach der 2. Impfung im für den jeweiligen angewendeten Testassay definierten klar positiven Bereich, wird auf eine 3. Impfung verzichtet. Wenn jedoch solche Antikörper nicht im klar positiven Bereich nachweisbar sind respektive fehlen, weisen die aktuellen wissenschaftlichen Daten darauf hin, dass die Impfantwort durch eine dritte Impfung verbessert werden kann.

Reinfektionsrisiko bei über 60-Jährigen höher

Modellierungsanalysen auf Basis des Antikörperverlaufs weisen darauf hin, dass der Schutz vor Infektionen bei vollständig geimpften Personen <65 Jahre für schwere Erkrankungen 3 Jahre oder mehr beträgt, während milde Infektionen (mit Virusübertragung) ab 16 Monaten auftreten können. Für >65-jährige Personen ist von einen kürzeren Schutz vor Infektion auszugehen: im Bereich von 8–10 Monaten für milde und 15–24 Monaten für schwere Erkrankungen [4].

Beobachtungsstudien zeigen, dass Re-Infektionen mit SARS-CoV-2 bis 12 Monate nach Infektion selten sind, jedoch mit zunehmenden Alter nach einem kürzeren Intervall auftreten können [5]. Das Risiko sich mit SARS-CoV-2 Delta zu infizieren, steigt signifikant in allen erwachsenen Altersgruppen an, wenn die 2. Comirnaty Impfdosis länger als 146 Tage zurück liegt [2], vor allem bei Personen ab 60 Jahren (Odds-Ratio 3 [95%-KI, 1,85–5,12]). Die Frage der Dauer des Impfschutzes in Bezug auf 70- bis 97-Jährige wird aktuell in Deutschland in einer Studie der Charité in Kooperation mit einer Berliner Hausarztpraxis Studie untersucht [7].

Literatur:

  1. Thomas SJ, et al.: medRxiv 2021.07.28.21261159
  2. Israel A, et al.: medRxiv preprint doi: https://doi.org/10.1101/2021.08.03.21261496
  3. Swiss National Covid-19 Science Taskforce, 26.8.21, https://sciencetaskforce.ch, (letzter Abruf 05.09.21)
  4. Khoury DS, et al.: Nature medicine 2021. 10.1038/s41591-021-01377-8
  5. Hansen CH, et al.: Lancet (London, England) 2021; 397(10280): 1204–1212.
  6. Pouwels KB: Impact of Delta on viral burden and vaccine effectiveness against new SARS-CoV-2 infections in the UK, www.ndm.ox.ac.uk/files/coronavirus (letzter Abruf 05.09.2021)
  7. «Charité-Studie belegt verzögerte Impfantwort bei Älteren Pressemitteilung der Charité», Charité Universitätsmedizin Berlin, 09.06.2021
  8. Swiss National Covid-19 Science Taskforce, 26.8.21, https://sciencetaskforce.ch, (letzter Abruf 05.09.21)

HAUSARZT PRAXIS 2021; 16(9): 18 (veröffentlicht am 19.9.21, ahead of print)

Mirjam Peter, M.Sc.

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